Hochstubaihütte 3175m - 2025/2026

Liebe Bergfreunde,

mancher von Euch wird es bemerkt haben, die letzten Jahre auf der Hochstubaihütte waren geprägt von größeren Baumaßnahmen und stellten die Hüttenwirtsleute sowie den verantwortlichen Hüttenwart vor einige Herausforderungen. Jetzt könnte ich sagen, „alles Vergangenheit, schauen wir nun wieder nach vorn“! Aber so einfach ist es nicht, die Bauerei wird uns noch einige Zeit weiter beschäftigen und da oben auch gehörig einschränken.

Begonnen hatte alles 2021 mit dem Ausbau des Winterraumgebäudes. Mitten in der Coronazeit eine echte Herausforderung mit einem vollen Jahr Pause wegen fehlendem Personal bei unserem Auftragnehmer aus dem Ötztal. Der längere Bauablauf hat sich aber wirklich gelohnt, dass Ergebnis kann sich sehen lassen, wir besitzen jetzt ein wahres Winterraumschmuckstück, ich sage immer „den schönsten Winterraum der Stubaier- und Ötztaler Alpen“.

Weiter ging es nach drei wasserlosen Sommern, bitte nicht falsch verstehen, Niederschläge gab‘s sicher genügend, aber aus einem uns nicht bekannten Grund verlor unser Trinkwasserspeichersee ziemlich plötzlich in kurzer Zeit unglaublich viel Wasser. Das Problem wurde so prekär, das wir, nur um genügend Wasser für die Küche bereitstellen zu können, die kompletten Sanitäranlagen sperren mussten. Die langen Gesichter bei unseren Gästen kann sich jeder vorstellen. Besser aber ungewaschen wie unverpflegt. Am Ende haben es die Hüttenbesucher meistens verstanden.

Aber – es musste eine Lösung für dieses Problem her. Wir haben einen künstlichen Speichersee geplant. Selbstverständlich mit ingenieurtechnischer Federführung und bei solchen Eingriffen in den natürlichen Wasserkreislauf, auch mit Überwachung durch die hiesigen Behörden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ein künstliches Speicherbecken, begrenzt von einem Damm aus komplett natürlichen Umgebungsgestein, mit ca. 150m³ Inhalt, zwei Pumpenschächten und mehreren ‘zig Metern Kunststoffrohrleitung. Die Dichtheitsprobe erfolgt in diesem Sommer, im vergangenem Jahr hat es vor Hüttenschluss nach der Fertigstellung leider zu wenig Niederschläge gegeben und die Schneereste vom verg. Winter waren auch nicht mehr vorhanden, somit war der Speicher nicht genügend gefüllt.

Überschneidend mit den beschriebenen Maßnahmen kam im September 2023 ein unscheinbarer Wanderer auf unsere Hochstubaihütte. Nach einem kurzen und angenehmen Gespräch mit Wirt Thomas Grollmus stellte sich der Wanderer schließlich als Lebensmittelinspektor der zuständigen Bezirkshauptmannschaft in Imst vor und bat unseren Wirt um Zugang zu den Küchenräumen und Lebensmittellagerstätten. Eingeweihte wissen, die Küche auf der Hochstubaihütte ist in entscheidenden Punkten so ziemlich unverändert seit der Hütteneröffnung im Jahre 1938 geblieben. So wurde dann das auswertende Besuchsprotokoll mit den kurz darauf eingegangenen Beauflagungen des bergaffinen Inspektors auch zur Ursache für unsere diesjährige, recht anspruchsvolle Baumaßnahme, den Neubau der gesamten Küche. Zur Vorbereitung erklärten sich im September 8 Bergfreunde bereit, in einem A-Einsatz die gesamten drei Räume zu entkernen und – das war gar nicht geplant—alle Innenwände zu entfernen. Nach 5 Tagen harter Arbeit war das geschafft und jetzt steht ein Raum mit 50m² Fläche zur Neueinrichtung bereit.

Folgende Maßnahmen werden in diesem Sommer durchgeführt:

  • Durchbruch der Außenwand und Einbau einer Tür auf die Terrasse
  • Einbau von Trennwänden/Türen zur Raumabtrennung
  • Einbau einer begehbaren Kühlzelle, eines Holzherdes mit Warmwasserkreislaufsystem,
  • Komplette Verkleidung der Wandflächen mit abwischbarer Kunststoffoberfläche
  • Komplette Deckenverkleidung, Fußbodenbelag rutschfest,
  • Komplette Neuinstallation von Warm.-, Kalt- und Abwasserleitungen zu verschiedensten Verbrauchern
  • Komplette Neuinstallation von Elektroversorgungsleitungen, neue Beleuchtung,
  • Geschirr-und Gläserspülautomat, Diverse Anrichtmöglichkeiten, Regale und Schränke aus Edelstahl
  • Reproduktion der Schankanlage

Die Arbeiten sind geplant vom 08.06.-19.07.2026. In dieser Zeit ist der Hüttenbetrieb stark eingeschränkt. Stark eingeschränkt bedeutet in diesem Fall, pro Tag kann der Hüttenwirt max. 10-12 Gäste bewirten, denn die „Notküche“ wurde vorübergehend in der Gaststube installiert und belegt den Platz, welchen unter normalen Umständen unsere Gäste einnehmen würden.

Als wäre das alles nicht genug, müssen wir in diesem Jahr einer weiteren Auflage des Landes Tirol entgegensehen. Unsere, beim Umbau 2011 installiere Abwasseranlage verliert zum Ende 2026 ihren Bestandsschutz. Es wurde fristgemäß eine Verlängerung beantragt, aber die Chancen, dass diesem Antrag entsprochen wird, sind gleich Null. Heißt im Klartext für 2026 und 2027 - wieder Planen, kalkulieren, ausschreiben, bauen. Die wichtigste, Eigenschaft, eine worauf wir eigentlich verzichten könnten, hab ich nicht benannt, VIEL GELD AUSGEBEN.

Liebe Sektionsmitglieder, es war mir ein Bedürfnis, Euch mit diesem kleinen Bericht mal wieder den aktuellen Stand auf unserer wunderbaren Hochstubaihütte mitzuteilen. Lasst Euch durch die hier beschriebenen Maßnahmen nicht abschrecken, die schönste Hütte der Ostalpen zu besuchen. Ich habe die große Gewissheit, dass nach Abschluss aller hier benannten Baumaßnahmen mit dem Bauen zwar nicht Schluss ist, irgendwas wird da oben immer gebaut. Ich bin aber fest davon überzeugt das die Hochstubaihütte dadurch nur noch schöner, aber auch ein klein wenig moderner wird.

Ich wünsche Allen Mitgliedern unserer großen Sektion Dresden ein erlebnisreiches Bergjahr 2026.

Chemnitz, im Februar 2026

Heiko Kunath

Hüttenwart Hochstubaihütte 3175m